Alpen Bayern Deutschland

Königsee im Corona-Herbst

Der Beitrag entsteht aus einer gewissen emotionalen Aufgeregtheit heraus. Die längste Reise seit Beginn von Corona war jetzt Anfang Oktober eine gute Woche Oberbayern und vor allem im Berchtesgadener Land.

Dank des Beherberungsverbotes in Bayern für Einwohner eines innerdeutschen Risikogebietes, durften wir die Reise vorzeitig abbrechen. Wir hätten auch länger bleiben können, da es manche Hoteliers nicht so eng sehen und gerade nach Ankündigung der Beherberungsverbote war die Nachrichtenlage noch recht unklar. Die Wettervorhersage war dazu auch nicht mehr sehr einladend und so ging es eben früher nach Hause.

Kaum bin ich zurück lese ich eine Nachricht von „König Markus“, dass er die Gefahr eines zweiten Lockdowns sieht und die Einhaltung der Corona-Regeln anmahnt. In dem Moment ist mir die Hutschnur geplatzt. Er hatte sich die Tage mit Sebastian Kurz in Bad Reichenhall getroffen und danach hätte er mal zum Königsee fahren sollen, um sich die Situation vor Ort anzuschauen.

Die Königsee Schifffahrt hat 18 Schiffe und auf der Rückfahrt von St. Bartholomä habe ich zwei Schiffe gezählt, die in den Bootshäusern lagen. Der Rest der Schiffe war auf dem See und unsere genutzten Schiffe waren alle randvoll besetzt. Die Schiffe gelten als Personennahverkehr. Somit herrscht Maskenpflicht und Mindestabstände sind nicht nötig. Wenigstens waren die meisten Fenster und Luken offen, damit die TouristInnen fotografieren können. Trotzdem fand ich das „Gruppenkuscheln“ unangenehm und gerade bei den Schiffen mit der Mittelbank im vorderen Teil, hätte man diese meiner Meinung nach leer lassen könne, um nicht fast Knie an Knie zu sitzen.

Auf dem Weg entlang des Obersees von der Anlegestelle Salet zur Fischunkelalm war es in der Passage mit den Steinstufen extrem eng. Da quetschen sich die Leute aneinander vorbei und fast niemand bleibt einmal an einer breiten Stelle stehen, um den Gegenverkehr vorbeizulassen.

Um einen gewissen Mindestabstand herzustellen, hatte ich mich bei jeder Begegnung zur Seite gedreht, um mit meinem Rucksack etwas Distanz zu schaffen. Hätte ich es vorher gewusst, wie es dort abgeht, hätte ich einen Rucksack mitgenommen, der noch etwas tiefer ist.

2018 hatte ich bereits über meinen Besuch des Königsee im Sommer 2016 hier im Blog geschrieben. Abgesehen von Markierungen und Hinweisen am Ticketschalter und der Maskenpflicht auf den Schiffen, konnte ich kaum einen Unterschied feststellen.

Vor der Fischunkelalm sind mehrere längere Bänke. Da hocken sich Leute einfach ohne zu fragen direkt neben einen auf die Bank und ein zu geringer Abstand kann nur hergestellt werden, indem man einen Rucksack als Puffer auf die Bank legt oder den Mund aufmacht und die Leute anmeckert.

Beim Stopp auf der Rückfahrt bei St. Bartholomä hatte ich mich zusammengelegten Schenkeln auf eine Bank am Seeufer mit ausgestreckten Beinen mehr hingelegt als gesetzt. Dadurch hatte ich fast die halbe Wegesbreite blockiert und die Leute haben mich sehr böse angeschaut. Wenn sich an dieser künstlich geschaffenen Engstelle Leute begegnet sind, haben sie sich trotzdem aneinander vorbeigequetscht und niemand ist mal zwei, drei Sekunden stehengeblieben, um den Gegenverkehr vorbeizulassen.

Namen nenne ich jetzt bewusst nicht, aber in Berchtesgaden waren wir in einem Wirtshaus Mittagessen. Dort musste kein Zettel mit den Kontaktdaten ausgefüllt werden und die zwischen den Tischen waren keine Plexiglasscheiben als Trenner und trotzdem saß man Rücken an Rücken. Obwohl das Essen sehr lecker war, hatten wir daher keine Lust dort abends hinzugehen. Stattdessen waren wir abends immer im Hotelrestaurant. Dort wurde auf die Abstände geachtet und meistens waren wir von den Ausflügen erst zurück, wenn die Halbpensionsgäste, die um 18 Uhr zum Essen gegangen waren, schon fast fertig waren.

Teilweise waren wir abends kurz nach 21 Uhr die einzigen Gäste im Restaurant. Aber das war nicht schlimm. Wie im Einleitungsartikel zu der Corona-Artikelreihe war die Reiseplanung auf Sicht und so hatten wir abends sowohl die Ziele/Aktivitäten für den nächsten Tag geplant und das in Abhängigkeit der Corona-Situation.

Dass die Reise früher vorbei war als geplant, hatte ich bereits erwähnt. Ich muss sagen, dass ich froh war wieder zu Hause zu sein und nicht ständig zu schauen, welche Regelung wann und wo gilt.

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