Malta wiederbesucht – 8 Unterschiede zwischen 2013 und 2017

Nach vier Jahren war ich wieder auf Malta. Ich habe Dinge erneut gesehen, ich habe Dinge wieder nicht gesehen und ich habe Unterschiede festgestellt. Einiges ist natürlich auch gleich geblieben, denn bei „toten Steinen“ ändert sich normalerweise nicht viel (dazu später mehr).

2013 war ich März über Ostern dort und die ganze Reise war geprägt von Osterprozessionen. Jetzt in 2017 war es das Wochenende über den 1. Advent.

Busfahren

Der öffentliche Nahverkehr auf Malta besteht aus Bussen und den beiden Fähren von Valletta nach Sliema bzw. zu den Three Cities. Nach wie vor muss man Zeit mitbringen, denn eine Fahrt mit einem Linienbus kann schon einmal eine Stunde oder länger dauern. Auch sind die Busse wegen Staus oft nicht sonderlich pünktlich und mal fällt auch ein Bus aus. Somit muss auch gerade bei weiteren Ausflügen schon mal etwas Stehvermögen und Geduld mitbringen, wenn man auf den Bus warten muss.
Als ich 2013 auf Malta war, hatte ich einen Reiseführer aus dem Jahr 2010. In der Zwischenzeit hatte Arriva den Busverkehr übernommen und natürlich hatten in dem Reiseführer die angegebenen Buslinien nicht mehr gestimmt. Zum Glück hatte ich jetzt vor (dieser) der Reise noch schnell einen aktuellen Reiseführer gekauft, denn in der Zwischenzeit wird der Busverkehr von Malta Public Transport bedient. Ich habe es jetzt zwar nicht überprüft, aber ich gehe aber davon aus, dass sich die Linien bei dem Wechsel erneut verändert haben.
Ich bin zwar ein geübter Nutzer des ÖPNVs, aber auf Malta fand ich den aktuellen Liniennetzplan des Busverkehrs etwas unübersichtlich. Im Vorfeld hatte ich mir die hochauflösende PDF Variante auf das Handy geladen, aber – wieso auch immer – war der Plan ausgedruckt besser zu lesen.
Was ich dieses Jahr vermisst hatte habe, war ein Fahrplanbuch, um die die Ausflüge über die Insel zu planen. Am Infostand des Central Bus Terminus in Valletta hatte ich nicht danach gefragt, aber 2013 gab es von Arriva solch ein Buch. Auf der Seite von Malta Public Transport hatte ich nur die Fahrpläne pro Linie gefunden und da war ich im Vorfeld zu faul, diese für alle Linien herunterzuladen.
Gefühlt waren die Busse voller als noch 2013. Ich gehe davon aus, dass damals über Ostern sogar noch mehr Touristen auf der Insel waren als jetzt in der Vorweihnachtszeit. Vielleicht war ich aber auch einfach nur auf anderen Linien und zu anderen Zeiten unterwegs oder es hat mit unterschiedlichen Linienführungen zu tun.
Kleine Randnotiz: Die orangenen Bedford-Busse, die ein Wahrzeichen von Malta waren, gibt es im Linienverkehr seit der Übernahme durch Arriva nicht mehr. Die alten Busse sieht man vor allem umgebaut als Souvenir-Shops an touristisch interessanten Stellen.

Marsaxlokk (Fischmarkt)

Ein Besuch in Marsaxlokk ist für mich genauso ein Pflichttermin wie eine Lagunenrundfahrt nach Burano von Venedig aus. Schon bei der Planung einer Reise frohlockt mein Kamerasensor bzw. der Fotograf in mir, die Luzzus (die vor allem in blau-gelb gehaltenen traditionellen Fischerboote) im Hafen von Marsaxslokk zu fotografieren. Das Motiv ist traumhaft und nicht umsonst Titelbild mehrerer Malta-Reiseführer.
2013 war ich dort unter der Woche, nachdem ich vorher die Höhle von Għar Dalam besucht hatte. Dieses Mal war auf dem Weg nach Marsaxlokk die Ausgrabung des Tempels von Tarxien ein Zwischenstop auf dem Weg. Gegenüber 2013 hat der Tempel mittlerweile auch ein Zeltdach erhalten wie die der Tempel von Ħaġar Qim.

An der Uferpromenade von Marsaxlokk ist sonntags ein (Fisch-)Markt und dort rennen alle Touristen hin. Von daher war es keine kluge Idee, aus dem Bus für den Tarxien-Tempel auszusteigen, denn nach dem Besuch der Ausgrabung, waren alle Busse so voll, dass sie in Tarxien wegen Überfüllung gar nicht mehr angehalten haben. Einen Taxistand gibt es in der Stadt nicht, aber der Vater der Inhaberin der Boutique hinter der Bushaltestelle ist Taxifahrer. Somit war Hilfe in einer Viertelstunde vor Ort, nachdem vorher zwei Busse überfüllt vorbeigefahren waren.
Auch wenn es laut Reiseführer ein Highlight ist, war ich von dem Markt in Marsaxlokk ziemlich enttäuscht. Die komplette Hafenpromenade ist mit Verkaufsständen vollgestellt und das ganze Dorf ist voll mit Leuten, aber die Fischstände sind an 1-2 Händen den Fingern abzuzählen und befinden sind in eine Ecke gegenüber der Kirche gequetscht. Für mich hat der Mercado de Campo de Ourique in Lissabon wesentlich mehr Flair mit der alten Fischverkaufsständen im Eingangsbereich und dem modernen Markt in der übrigen Markthalle als die paar Fischstände in Marsaxlokk am Hafen.

Nachdem ich Marsaxlokk mit und ohne Markt erlebt habe, ist meine Empfehlung nicht am Sonntag dort hinzufahren, wenn es dort etwas ruhiger bzw. verschlafener ist. Die Restaurants an der Uferpromenade haben auch an den anderen Tagen geöffnet und dann sollte es auch einfacher sein, im Wunschrestaurant einen Tisch vor der Tür zu bekommen. Dieses Jahr ging es ins Il-Bukkett und da war (ich glaube da war ich 2013 auch). Was ich bei Gesprächen vom Kellner mitbekommen hatte, war dass die Außentische unter der Woche auf der Uferpromenade auf der anderen Straßenseite stehen. 2013 war es noch so wie jetzt am Markttag, dass die Tische auf dem Bürgersteig vor dem Restaurant stehen.
Dieses Jahr habe ich in Sliema statt in Valletta gewohnt und habe am Ufer bei den Ausflugsdampfern gesehen, dass von Sliema aus Bootsfahrten am Sonntag zum Fischmarkt nach Marsaxlokk angeboten werden. Das könnte eine interessante Alternative zu den überfüllten Bussen sein.

Geschlossene Kirchen

Normalerweise sind katholische Kirchen offen und auf der winzigen Insel Malta gibt es davon so viele, dass man in einem Jahr ein Jahr lang jeden Tag in einen andere Kirche gehen könnte. Was mich dieses Jahr verwundert hatte, war, dass viele Kirchen geschlossen und nicht zugänglich waren. 2013 an Ostern war das deutlich anders. Damals fanden dort die Vorbereitungen für die Osterprozessionen statt und die Kirchen waren offen. Jetzt im Advent stand ich öfters vor verschlossenen Kirchen, die ich 2013 noch besucht hatte.
Ausgenommen sind natürlich Kirchen wie die unglaubliche St. Johns Co-Cathedral, für die Eintritt gezahlt werden muss. Trotz Eintrittsgebühr ist die Kirche einen Besuch wert und gegenüber 2013 habe ich entdeckt, dass es dort noch einen Balkon innerhalb der Kirche gibt (vielleicht war er damals auch wegen Umbauarbeiten geschlossen). Der Ausblick ist unfassbar und die Kirche ist extrem prunkvoll.

Lautsprecher in Valletta

In Valletta gibt es auf den beiden Hauptstraßen Republic und Merchant Street Lautsprecheranlagen. An Ostern lief dort Kirchenmusik und die Predigt der großen Osterprozession von vor der St. Johns Co-Cathedral wurde dort in die ganze Stadt übertragen. Jetzt in der Vorweihnachtszeit liefen dort Weihnachtslieder und ich habe nicht so genau darauf geachtet. „Last Christmas“ lief dort im Gegensatz zu den Restaurants an der Uferpromenade von Sliema nie. Dafür lief aber ständig „Do they know it‘s Christmas?“ von Band Aid. Ich denke es war die Originalversion von 1984, die ich noch als Max-Single im Keller liegen habe, und nicht das Remake von 2014.

Blackpool im Mittelmeer

Vor der ersten Reise 2013 stand in einem Reiseführer, dass auf Malta die Briten sich ein Blackpool im Mittelmeer gebaut haben. Gesehen bzw. erlebt hatte ich das nicht, da ich auf Valletta gewohnt hatte und in Sliema nur tagsüber für eine Hafenrundfahrt war. Nach St. Julian‘s war ich nur bis zur Bucht gekommen und fand es dort mit den Restaurants nicht so schlimm.
Jetzt im Dezember habe ich dann aber gesehen, was der Reiseführer gemeint hatte, da ich wegen Souvenierkäufen im Bay Street Shopping Complex in St. Julian‘s war und von dort aus dann zu den gepflegten Restaurants in der Bucht gelaufen bin. Es war am frühen Samstagabend und im Dezember und trotzdem war ich froh, den Trubel hinter mit gelassen zu haben. Im Sommer ist das vermutlich noch mal eine ganz andere Hausnummer.

Valletta City Gate

2013 war das City Gate, das 2013 noch eine große Baustelle war, und ist mittlerweile ist es fertiggestellt. Mit gefällt das das Entree zur Stadt mit den seinen großen Treppen links und rechts zu den Befestigungsmauern. Auch die moderne Architektur des neuen Parlamentsgebäudes passt sich sehr schön in die Umgebung ein.

Mittlerweile kann man auf allen Seiten um die Pjazza Teatru Rjal (Royal Opera House Site) laufen und ich denke, dass die Treppe mit dem Denkmal an der Nordostseite des St James Cavalier Centre for Creativity im Sommer wegen des Schattens sehr beliebt sein werden.

National War Museum (Fort St. Elmo)

2013 war das (National) War Museum ziemlich klein und überschaubar. Nach dem Besuch des Großmeisterpalasts und der Waffenkammer waren es noch eineinhalb Stunden Zeit bis das War Museum schließen würde. Daraufhin bin ich erstmal im Cafe Cordina eingekehrt, da ich mit einer halben Stunde für das War Museum kalkuliert hatte.
Vor Vor Ort musste ich dann aber feststellen, dass das Museum es innerhalb des Forts umgezogen ist und nun deutlich größer geworden ist. Das was früher das ganze Museum war, ist jetzt einer von 6 bzw. 7 Räumen (einer war geschlossen). Von daher waren ca. 50 Minuten schon sehr knapp für das neue Museum.

Azure-Window

Mein Interesse für Malta wurde geweckt als Phillip Boa 1991 nach Malta ausgewandert ist. Danach hatte ich mich immer wieder mit der Insel beschäftigt und es hat 22 Jahre gedauert, bis ich endlich dorthin gekommen bin. Damals hatte ich schon Bilder vom Azure Window gesehen und wusste, dass ich das einmal in Realität sehen möchte.
2013 war es dann soweit und der Anblick war atemberaubend. Seitdem wollte ich ich immer wieder dorthin zurückkehren, um den Ausblick noch einmal genießen zu können. Hätte ich es mal früher gemacht, denn im März 2017 ist das Felsentor eingestürzt und im Meer versunken. Ich war sprachlos als ich die Nachrichten gelesen hatte.
Obwohl das Azure Window nicht mehr vorhanden ist, waren dort trotzdem noch haufenweise Touristen dort unterwegs. Vom gleichen Parkplatz aus gibt es auch die Inland Sea mit dem einer Durchfahrt im Felsen von dem See aus aufs offene Meer hinaus. Dort war aber kein Tourist zu sehen und vorne am Meer, wo der der typische Blick auf das Azure-Window war, liefen 100-200 Touristen umher.

Tigné Point

Die Ostspitze von Sliema war 2013 noch eine Baustelle. Jetzt ist das Gebiet erschlossen und die Luxuswohnungen dort sehen alle nach Gated-Housing aus. Trotzdem kann man dort bis zum Fort Tigné laufen, welches leider abgesperrt ist. Der Uferweg ist frei zugänglich und dorthin ging der Morgenausflug vor dem Rückflug. Der Blick von dort auf Valletta ist einfach schön und entsprechend werden die Wohnungen dort auch einiges kosten.

Entlang der Uferpromenade konnte ich aber selbst am Vormittag im Dezember den Blickwinkel so verändern, dass ich nicht ins Gegenlicht fotografieren musste.

Was ich wieder verpasst habe:

  • Blaue Grotte: Sowohl damals im März als auch jetzt im Dezember war der Wellengang zu stark. Obwohl keine Ausflugsboote gefahren waren, war trotzdem einiges los bei den Cafes und Restaurants.
  • Blaue Lagune: 2013 hatte ich sie gar nicht auf dem Schirm und jetzt war keine Zeit für eine Bootsfahrt dorthin. So habe ich wenigstens wieder einen Grund, irgendwann noch einmal nach Malta zu fliegen.
  • Lichtspuren um den Central Bus Terminus: 2013 hatte ich eine schwere Spiegelreflexkamera mit Akkugriff und schwerem Objektiv dabei und dazu nur ein leichtes Reisestativ, das für das Gewicht nicht ausgerichtet war. Jetzt war der Triton-Brunnen eine Baustelle und abgesperrt. Also muss ich dort auch noch einmal hin, um die Lichtspuren von Bussen bei der Umfahrung des Triton-Brunnens zu fotografieren.

Fazit

Auf dem Rückflug wurde ich gefragt, was mein Highlight der Reise war. Da ich Vieles zum zweiten Mal gesehen habe und mich bei so etwas nie entscheiden kann, war meine Antwort: „Wieder auf Malta gewesen zu sein.“ Das türkisblaue Meerwasser, der blaue Himmel und dazu der gelbe Kalksandstein auf Malta im Sonnenlicht: Die Farben sind so intensiv und so schön, dass mir dabei das Herz aufgeht und ich mich an der Kombination einfach erfreuen kann.

Jetzt im Dezember war der Trip nach Malta extrem billig. Der Flug lag mit abgeflogenen Meilen bei 73 EUR und dazu gab es als Black Friday Sale fünf Nächte in einem Vier-Sterne-Hotel in einem Superior Room mit Balkon inklusive Frühstück für ca. 300 EUR.

Der Plan Sonne und Wärme kurz vor Weihnachten zu tanken, ging nur zum Teil auf. Obwohl die Tageshöchsttemperaturen bis auf 16-17°C gingen, wurde es durch den Wind trotzdem ziemlich frisch. Auf den Straßen war von T-Shirt-Trägern bis Winteranorak mit Mütze alles zu sehen. Wenn die Sonne scheint und es windstill ist, dann hat die Sonne kraft und ein Polo-Shirt genügt. Von daher könnte ich mir gut vorstellen in 2018 dort Mitte/Ende November/Anfang Dezember wieder eine Auszeit zu nehmen. Von Frankfurt aus geht es schnurgerade in den Süden und schneller als nach Malta komme ich zu der Jahreszeit nicht in warme Gefilde.

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